Ein neues Projekt!

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Ifakara · Tansania

Nach dem ersten Jahr „For the Ed“ ist für uns die Testphase definitiv abgelaufen. Wir haben gemerkt wie viel uns das Projekt bedeutet, haben viel Resonanz bekommen, uns Gedanken über die Zukunft gemacht und schlussendlich auch gehandelt.
Das gespendete Geld ging bisher nach Ekpé, Benin – Dort konnten wir mit eurer Unterstützung für eine neue Ausstattung sorgen.

Der Kontakt ging über einen gemeinsamen, aus Benin stammenden Freund, der uns einen Abgeordneten der Botschaft vorstellte und wir über ihn das Geld nach Benin spenden konnten.
Was uns jedoch fehlte ist der wirklich direkte Kontakt zum Projekt – zu den Lehrern, den Schülern und auch ein Eindruck zur wirklichen Situation in Ekpé.
Weiter fanden wir, dass ein Wechsel des Projekts vielleicht auch eine gute Idee hinsichtlich flächendeckenderer Unterstützung sei.

Im Sommer verbrachte ich knapp 2 Monate in Ifakara, Tansania, um dort eine neue Schule kennenzulernen und innerhalb dieses Zeitraums am Projekt zu arbeiten. Als Gast des Schulleiters Alfonce Mlekia persönlich, wurde mir seine Schule vorgestellt und ich bekam einen tieferen Einblick unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben, lernte die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer kennen, und gewann einen Eindruck über das örtliche Schul- und Bildungssystem.

Ein paar allgemeine Fakten:
Das Schulsystem Tansanias ist nach englischem Muster aufgebaut worden. Seit 1978 besteht eine allgemeine Schulpflicht, jedoch können nur ca. 60% der Kinder eine Schule besuchen, aus Gründen wie z.B. Armut der Eltern, Kinderarbeit, zu lange Schulwege, AIDS. Oft schließen sich mehrere Dorfgemeinschaften zusammen und bilden eine eigene Schule. Die Schulpflicht beginnt offiziell mit der 2-jährigen Vorschule und reicht bis zur 7. Klasse (Primary School). Für die staatlichen Grundschulen wird kein Schulgeld mehr erhoben, was vor allem auf dem Land auch dazu führt, dass mehrere hundert Schüler von einem Lehrer in einem Klassenraum gleichzeitig unterrichtet werden. Zudem müssen sich die Eltern trotzdem an den Kosten für den Schulunterricht beteiligen (offiziell für Verpflegung, Transport und Schuluniform). Dieses Geld wird meist auch für Mobiliar, Hefte und Kreide verwendet; auch das nötigste ist in den Schulen oft nicht vorhanden. Zudem müssen die Eltern meist die Schulbücher finanzieren.
Nur diejenigen Schüler der Primary School, die einen gewissen Notenspiegel aufweisen können, haben die Chance auf weiterführende Bildung in Form der Secondary School, das heißt für viele Schüler endet die Bildung im Alter von 13 Jahren und die Chancen auf Arbeit sind marginal. Das ist ein großes Problem! Für viele ist der Weg zur Kriminalität oder Prostitution naheliegend.
Auf den weiterführenden Schulen (Secondary School), die zumeist als Internatsschulen ausgebaut sind, muss Schulgeld bezahlt werden. In diesem Schultyp kann nach 4 Jahren die mittlere Reife erlangt werden und nach weiteren 2 Jahren ein Äquivalent zum Abitur. Die Lehrer an den staatlichen Schulen arbeiten unter sehr schwierigen Bedingungen, auch hier mit hohen Klassenfrequenzen (50 Schüler und mehr), wenig Unterrichtsmaterial, bei schlechter und häufig unregelmäßiger Bezahlung, so dass die Lehrer meist noch einem Nebenerwerb nachgehen müssen.
Das monatliche Durchschnittsgehalt eines Lehrers liegt in etwa bei 400.000 TZS, das sind umgerechnet etwa 182€.

Zur Schule in Ifakara:
Gegründet wurde die Schule 2010 und Mitte 2011 in Betrieb genommen. Alfonce Mlekia, selbst frühpensionierter Lehrer einer staatlichen Schule, lies sich seine Rente auszahlen und fing damit an ein Gelände 6km außerhalb Ifakaras zu bebauen. Einige Tausend Dollar kamen dabei aus Rente und Spenden der örtlichen Gemeinde zusammen.
Die Schule ist eine Art Secondary School. Im Gegensatz zu staatlichen Einrichtungen mit gewissem „NC“, fängt Mlekias Schule genau diejenigen Kinder in Ifakara auf, die mit 13 Jahren aus dem Bildungssystem ausgeschlossen werden. Eine dringend nötige Einrichtung, wie es sie nur sehr vereinzelt in Tansania gibt.
Das Ganze wird privat betrieben – der Schulalltag wird von den Eltern finanziert; jedes Kind bringt ein paar Schillinge mit und gibt diese den Lehrern als Bezahlung für den Unterricht. Da es keinerlei staatliche Subventionen gibt, ist das Gehalt der Lehrer stark schwankend, von der Finanzierung der Eltern abhängig und beläuft sich monatlich auf ca. 50.000 TZS. Das sind gerade einmal 23€.
Es gibt 5 Lehrer an der Schule – 78 Schüler werden dort zurzeit unterrichtet.
Die Vision Mlekias soll irgendwann auch eine Primary School beinhalten, sodass Kinder non-stop bis zum Erwachsenenalter unterrichtet werden können.

Kurzum – Nach einer ereignisreichen (und auch zugegebenermaßen anstrengenden) Zeit überreichte ich zum Ende meines Aufenthalts die ersten 1.600.000TZN, das sind genau 1000$, in bar, um den Grundstein für unsere weitere Kooperation zu legen. Für uns heißt das, dass die Schule in Ifakara definitiv zum Dauerprojekt wird.

Wer weiß, vielleicht schaffen wir es ja irgendwann zu einer der Vision entsprechenden vollständigen Bildungseinrichtung sponsored by „For the Ed“; mit eurer Hilfe!

Stay tuned,
Josh Elle

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